Thursday, April 8, 2010

Homo homini lupus

von Stephan Schleim

Der Mensch des Menschen Wolf – so sah der Empiriker Thomas Hobbes (1588-1679) das Verhältnis der Staaten untereinander. Im Naturzustand herrsche der bellum omnium contra omnes, der Krieg aller gegen alle. Nur der Staat könne den Menschen eine Ordnung aufzwingen und müsse daher wie ein Leviathan, ein furchteinflößendes Monster, über seinen Bürgern schweben. Dann würde zwar innerhalb eines Staates Frieden herrschen, doch der Krieg zwischen den Staaten weitergehen. Ein Ende war für Hobbes nicht in Sicht, wohingegen der politische Philosoph Bertrand Russell 250 Jahre später die Hoffnung hegte, ein Weltstaat könne für Weltfrieden sorgen – und dafür sogar eine Fremdherrschaft in Kauf genommen hätte.

Das lässt kein gutes Haar am Menschen aber angesichts der weltweiten Konflikte mag sich so mancher fragen, ob nicht zumindest ein Körnchen Wahrheit in Hobbes' Annahme steckt, in allen Menschen herrschten die Motive des Vorteils und der Macht. Für den britischen Empiriker war das nur eine konsequente Folgerung seines radikalen Materialismus', der für natürliche Werte keinen Platz ließ. Damit widersprach er der antiken aristotelischen Sicht, der Mensch sei nicht nur ein zoon logon echon, also ein Wesen, das denkt und spricht oder anders formuliert vernunftbegabt ist, sondern auch ein zoon politikon, das heißt ein Gemeinschaftstier. In ähnlicher Weise würde auch Immanuel Kant etwas später die radikalen Ansichten Hobbes' kritisieren – aber wer von allen hat nun Recht behalten?

Ist so etwas wie altruistisches, selbstloses Verhalten überhaupt möglich?

Dieser Streit wurde auch auf anderer Ebene fortgesetzt, nämlich wenn es um altruistisches oder egoistisches Verhalten geht. Gibt es überhaupt so etwas wie Altruismus, also die selbstlose Sorge für einen anderen? Selbst im Tierreich scheint es das zu geben, ist „Altruismus“ doch auch ein terminus technicus der Zoologie. Oder spielt nicht immer ein egoistisches, auf den eigenen Nutzen gerichtetes Motiv eine handlungsleitende Rolle? Gibt man dem Bettler aus Mitgefühl seinen Euro oder nur, um sich gut zu fühlen oder ein schlechtes Gewissen zu vermeiden? Spendet man (die Deutschen im Schnitt ca. 60 Euro pro Jahr und Kopf), um einfach etwas Gutes zu bewirken oder bloß, um sich selbst zu beweisen, was für ein toller Kerl man ist?

Das Problem bei all diesen Fragen ist meines Erachtens, dass sie sich nur aus der Ersten-Person-Perspektive beantworten lassen: Jeder kann diese Frage nur für sich selbst beantworten. Wenn man von außen das – scheinbar altruistische – Verhalten eines anderen beobachtet, dann lassen sich immer egoistische Gründe anführen: Der wollte doch nur imponieren, sich gut fühlen, vor den anderen glänzen. Man bedenke aber, dass die gleichen Überlegungen für die gegenteilige Interpretation zutreffen: Der wollte etwas Gutes tun, helfen, ein Zeichen setzen. Zu welcher Interpretation ein Beobachter neigt, sagt daher weniger über das beobachtete Verhalten, als über den Beobachter aus: Hat er eher pessimistische oder optimistische Ansichten über seine Mitmenschen? Und so wurde auch Hobbes kritisiert, dass er von sich selbst auf alle verallgemeinere.

Hirnforscher finden bei ökonomischen Spielen oft Aktivierung in Belohnungsbereichen – löst das die Frage?
Wäre es aber nicht möglich, durch die Untersuchung der Hirnaktivierung beim scheinbar altruistischen Handeln herauszufinden, aus welchen Motiven die Akteure wirklich handeln, ob der Altruismus oder Egoismus überwiegt? Ich glaube, das würde schon richtiges Gedankenlesen voraussetzen, denn auch wenn so genannte „Neuroökonomen“ in ihren Spielen oft Hirnaktivierungen finden, die auf das Erlebnis von Belohnung schließen lassen, so sagt das doch nichts darüber aus, ob das ein handlungsleitendes Motiv war oder nicht. Selbst der Vernunftmensch Kant hätte bestimmt nicht bestritten, dass viele Menschen diese Gefühle erleben, sondern nur daran festgehalten, dass allein das Vernunftgesetz, das Pflichtdenken den Ausschlag fürs altruistische Verhalten geben dürfe. Und womöglich hatte der Vernunfmensch Kant ja selbst auch gefühle. Daher sind mangels besserer Methoden sowohl Hobbes als auch Kant (und Aristoteles) mit den heutigen Ergebnissen der Hirnforschung vereinbar und es bleibt dabei: Jeder kann nur für sich selbst herausfinden, was seine wahren Motive sind.

Im tibetischen Buddhismus würde man hier übrigens Meditation als einen Bestandteil der Selbstaufklärung sehen: Durch genaue Beobachtung des Geistes sollen Illusionen, Unwissenheit und negative Emotionen beseitigt werden. Was dann übrig bleibt? Allumfassendes Mitgefühl und liebende Güte, würden die Tibeter antworten. Vielleicht lacht deshalb der Dalai Lama immer so herzlich; jedenfalls ein klares Bekenntnis zum Optimismus. Mangels besserer Beweise und angesichts der weltweiten Konflikte wäre das vielleicht die nützlichste Annahme, das positive Menschenbild zu wählen, an die gute Natur des Menschen zu glauben.

Ach ja, noch ein Osterei für Denksportler: Mein Bekenntnis zum optimistischen Menschenbild, ist das nun egoistisch oder altruistisch?

Hobbes, T. (1642). De cive, dritter Teil von Elementa philosophiae

Quelle: http://www.brainlogs.de/blogs/blog/menschen-bilder/

1 comment:

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